Nachdem Herr Pfarrer Kaufmann am 28.01.1929 die Pfarrstelle in Kreuzebra übernommen hatte, wollte er auch mit der Jugend in Kontakt kommen. Daher lud er schon in den ersten Wochen die Jungen zu einer Versammlung in die alte Schule ein. Viele kamen und nach reger Diskussion wurde beschlossen einen Gesellenverein ins Leben zu rufen. Vierzehn Tage später wurde dieser dann gegründet.

Bei einem der nächsten Treffen machte Pfarrer Kaufmann den Vorschlag sich als Musikkapelle zu formieren, er selbst wollte auch die Instrumente bestellen und bezahlen. Dieser Vorschlag fand reges Interesse und so wurden bei Kapellmeister Goldmann aus Dingelstädt die Instrumente bestellt, welche 10 Tage vor Fronleichnam in Dingelstädt ankamen. Noch am selben Abend wurde vom Kapellmeister Goldmann die Besetzung der Instrumente festgelegt:

 

·        2 Pistons, gespielt von Karl Trümper und Karl Kühn

·        3 Trompeten, gespielt von Josef Meinhardt, Leo Jünemann und Otto Kraushaar

·        3 Es-Hörner, gespielt von Theodor Haase, Gerhard Hey und Franz Schmitt

·        3 Tenor-Hörner, gespielt von Werner Kraushaar, Aloys Kühn und Gerhard Konradi

·        2 Bässe, gespielt von Leonhard Nachtwey und Karl Freund (Schmid), der nach ein paar Wochen zurücktrat

·        1 Zugposaune, wofür sich aber kein richtiger Spieler fand

·        1Lyra, die von Hermann Richter geschlagen wurde

 

In den 10 Tagen bis Fronleichnam 1929 wurde jeden Abend von 19 bis 24 Uhr geprobt. Pfarrer Kaufmann, Anton Müller und August Nachtwey sowie die Lehrer Stitz und Kumpert führten die jungen Männer in die Musik ein, da sie weder Noten noch Töne kannten. Zur Fronleichnamsprozession wurde dann zum ersten mal das Lied „O Christ merk“ mit 23 Strophen gespielt.

Obwohl der damalige Sinn der Kapelle die Untermalung kirchlicher Feiern und Prozessionen war, wurde auch Marschmusik eingeübt. Dazu wurde vom Gesellenverein eine sogenannte „dicke“ Trommel gekauft. Josef Kruse und Hans Jäger, die selbst eine Wirbeltrommel besaßen, schlossen sich der Kapelle an.

Im Laufe der nächsten Jahre spielte die Kapelle immer häufiger zu Gesellenvereinsfeiern, kirchlichen Festen, Prozessionen und Wallfahrten. So spielte sie auch ab 1933 alle 3 Wallfahrten in Etzelsbach.

Als aber am 1. September 1939 der Krieg ausbrach, wurden die meisten Musiker einberufen. Ab der Wallfahrt Maria Geburt im gleichen Jahr war es daher nicht mehr möglich zu spielen.

Die Musiker Karl Trümper, Karl Kühn, Otto und Werner Kraushaar, Theodor Haase und Gerhard Hey fielen. Franz Schmitt, der mit dem Schreiben der Chronik begonnen hat, war der letzte Überlebende der Gründungsmitglieder.

Die Instrumente kosteten seinerseits 1880 Mark und wurden nicht von der Kirche, sondern von Pfarrer Kaufmann privat bezahlt und dem Gesellenverein geschenkt.

Pfarrer Kaufmann, dem Stifter der Instrumente und Gründer der Kapelle, sowie Anton Müller, der unermüdlich die Proben durchgeführt hat, sei`n noch heute ein Gotteslohn und Danke von der ganzen Gemeinde gesagt.

Im Frühjahr 1943, dem vierten Jahr des Krieges, zeigten die Burschen des Jahrgangs 1930 / 31 Interesse für die ungenutzten Instrumente, die Pfarrer Kaufmann verwahrte.

Aber erst als sich Anton Müller, der Kapellleiter der Vorgänger vor dem Krieg, bereit erklärte die Proben durchzuführen, durften die Burschen die Mundstücke der Instrumente zum Üben des Ansatzes mit nach Hause nehmen. Pfarrer Kaufmann ließ sich damals viel Zeit, um die Standfestigkeit der Anfänger zu prüfen, bevor er ihnen die Instrumente, allerdings ohne Mundstücke, und nur zur Reinigung, übergab.

Der erste Auftritt dieser neuen Blaskapelle war die Fronleichnamsprozession im Jahr 1943, wo von Altar zu Altar, das Lied „Ihr Engel allzumal“ gespielt wurde.

Die Namen der Burschen von damals waren dem Alter nach:

 

Rudolf Freund, Josef Schmidt, Michael Nachtwey, Josef Rümenapp, Josef Thon, Richard Franke, Anton Müller (Junior), Georg Hey, Konni Maas und Günter Haase

 

Da niemand in der Lage war den Bass zu tragen, wurde er durch Tenorhörner ersetzt. Er wurde erst wieder nach dem Krieg von Leonard Nachtwey, der aus der Gefangenschaft zurück kehrte und ihn schon vor dem Krieg spielte, übernommen. Leider verstarb Leonard Nachtwey schon 1952 nach einem tragischen Unfall im Alter von 42 Jahren. Sein Nachfolger wurde Georg Rümenapp. Die Auftritte der damaligen Blaskapelle beschränkten sich auf die ortsüblichen Prozessionen.

1948 übernahm Bernhard Klein die Leitung der Kapelle, da Anton Müller aus Altersgründen zurücktrat. Bernhard Klein, den der Krieg, zum Glück der damaligen Kapelle, nach Kreuzebra verschlagen hatte, war auch ein ehemaliger Militärmusiker. Unter seiner Leitung wurden außer Choralmusik auch andere Musikrichtungen eingeschlagen. Getreu seinem Motto in den Proben: „Ich werde euch die Flötentöne schon beibringen“, stieg das musikalische Niveau stetig an.

 

 

  

Blaskapelle um 1950

 

Von links nach rechts: xxx (Horn), xxx (Trompete), xxx (Horn), Georg Rümenapp (Bass), Bernhard Klein (Posaune), Rudolf Freund (Es-Horn), xxx (Trompete), Michael Nachtwey (Tenorhorn)

 

Aber in den Wirren der Nachkriegszeit sind viele, durch Übersiedlung in den Westen, Uninteressiertheit oder Tod (Karl Freund), aus der Blaskapelle ausgetreten. Daher mußten immer wieder Nachwuchsspieler angeworben werden. Von Glück konnte man damals reden, wenn von 6 Anfängern 2 durchhielten.

Trotz aller Bemühungen die Anzahl der Mitglieder hoch zu halten, schrumpfte die Blaskapelle auf ein Quartett zusammen.

Unter der Leitung von Josef Pfad, der Ende der 1950er Jahre in die Blaskapelle eintrat und schon damals großes Interesse an der Tanzmusik zeigte entstand aus der Blaskapelle Kreuzebra die recht erfolgreiche Tanzkapelle „Argentinos“. Sie existierte 6 Jahre, von 1958 bis 1964.

 

 

 

„Argentinos“

(ca. 1960)

 

 

Auch nach der Auflösung der „Argentinos“ bestand weiterhin der musikalische Trend zur Tanzmusik, was auch im Namen „Blas- und Tanzorchester Kreuzebra“ zum Ausdruck kam.

 

 

 

Blaskapelle 1963 vor dem Pfarrhaus

 

von links nach rechts: Josef Freund, Erich Henning, Josef Kraushaar, Josef Pfad, Elmar Nachtwey, Helmut Rinke

 

 

 

Blaskapelle 1965:

von links:

Michael Nachtwey, Rudolf Freund, Bernhard Klein, Franz–Josef  Thrien, Adolf Schmidt, Karl Meinhardt, Georg Hey, Elmar Nachtwey, Erich Funke, Josef Kraushaar, Helmut Rinke, Helmut Funke, Georg Rümenapp

 

 

 

Mit einigen Neuzugängen, aber auch Abgängen bestand die Blaskapelle in der nächsten Zeit in der folgenden Stammbesetzung:

 

·        Josef Pfad, Kapelleiter (Es – und Tenorsaxophon, Klarinette)

·        Michael Nachtwey, seit 1943 Mitglied (Tenorhorn)

·        Rudolf Freund, seit 1943 Mitglied (Es - Horn)

·        Georg Rümenapp, seit 1953 Mitglied (Bass)

·        Josef Kraushaar, 1963 eingetreten (Es - Horn)

·        Elmar Nachtwey, 1963 eingetreten (Trompete)

·        Helmut Rinke, 1963 eingetreten (Trompete)

·        Reinhold Drust, 1971 eingetreten (Trompete, später Tenorhorn)

·        Karl – Josef Franke, 1971 eingetreten (Tenorhorn)

·        Wolfgang Fasse, 1981 eingetreten (Trompete)

·        Helmut Möller, 1983 eingetreten (Tenorhorn)

 

Durch die Abgänge in den 1980er Jahren von Reinhold Drust 1977 (Terminüberschneidungen durch Gründung der Tanzformation „Amatis“, später „Heipa“), Karl – Josef Franke (weggezogen) und Elmar Nachtwey (weggezogen), mußte Josef Pfad immer mehr auf auswärtige Musiker zurückgreifen. So zum Beispiel auf:

 

·        Alfons Wiederhold, Birkungen (1. Trompete)

·        Alois Schäfer, Geisleden (Akkordeon)

 

Im Laufe der Zeit wurde die Anzahl der auswärtigen Musiker jedoch immer größer und der Nachwuchs aus Kreuzebra weniger. Um den Nachwuchs aus Kreuzebra zu verstärken, wurde auf das Anlernen junger Musiker großer Wert gelegt. So traten 1990 die Brüder Tilo und Markus Keppler, die schon seit 1988 von Michael Nachtwey auf dem Tenorhorn unterrichtet wurden, in die Blaskapelle ein. Mit ihnen kam auch Michael Trümper, der unter der Anleitung von Georg Rümenapp den Bass spielen lernte, zur Blaskapelle. Im gleichen Jahr trat aber auch Georg Rümenapp aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Leben der Blaskapelle aus und übergab sein Instrument endgültig Michael Trümper.

 

In der Wendezeit 1989/90 spaltete sich die Blaskapelle in zwei eigenständige Kapellen:

 

·        das „Blas- und Tanzorchester Kreuzebra“ unter der Leitung von Josef Pfad mit größtenteils auswärtigen Musikern und

·        die „Hockelrain Musikanten“ mit ortsansässigen Musikern in Regie von Michael Nachtwey.

 

Unter dem neuen Namen „Hockelrain Musikanten“ und im Streben nach besserer musikalischer Qualität wurden wieder regelmäßige Proben eingeführt, damit einerseits die Neuanfänger ihr Instrument schneller beherrschten und andererseits das gesamte Kapellenrepertoire fester wurde. Diese Proben fanden damals jeden Sonntag Morgen in der ehemaligen Zigarrenfabrik, in der folgenden Besetzung, statt:

           

·        1. Trompete:          Wolfgang Fasse

·        2. Trompete:          Helmut Rinke

·        Bariton:                  Michael Nachtwey

·        1. Tenorhorn:         Helmut Möller, Tilo Keppler

·        2. Tenorhorn:         Markus Keppler

·        kleine Trommel:     Rudolf Freund

·        große Trommel:     Josef Kraushaar

·        Baß:                      Michael Trümper

 

Als 1991 die Tanzformation „Heipa“ aufgelöst wurde, kamen Gerhard Kruse am Schlagzeug und Reinhold Drust mit der Posaune zu den „Hockelrain Musikanten“. In dieser Zeit zog sich aber auch Rudolf Freund als aktives Mitglied langsam zurück. Ebenso wechselte Helmut Möller zur Trompete, da ein Überhang an Tenorhörnern bestand.

1993 war es möglich ein Vereinszimmer im Gemeindehaus in Kreuzebra einzurichten, wo seitdem jeden Freitag Abend die Proben stattfinden.

 

Im Jahr 1994 wurde Helmut Möller zum Kapellleiter der „Hockelrain Musikanten“ gewählt, weil Michael Nachtwey von seinem Amt zurücktrat. Weiterhin kam im selben Jahr Martin Fritz mit einem Es – Saxophon zur Kapelle.

Von nun an kleideten sich auch die Musiker zu größeren Auftritten einheitlich und trugen das Wappen der „Hockelrain Musikanten“ auf ihren Jackets.

Die Anzahl der Auftritte stieg im Laufe der Zeit und mit ihr auch der Anspruch der Veranstalter. Daraufhin wurde 1995 eine gebrauchte Verstärkeranlage gekauft. Nun wurden auch größere und entferntere Auftritte, zum Beispiel in Neunrade (Sauerland), Graßdorf (bei Hannover), Elxleben usw., angenommen. Auch zu großen kirchlichen Anlässen, wie die jährliche Johanniswahlfahrt auf dem Hülfensberg, der Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt und der Bistumswahlfahrt in Erfurt spielen seitdem die „Hockelrain Musikanten“ regelmäßig.

1998 verstarb Rudolf Freund, wodurch die Kapelle ein langjähriges Mitglied verlor. Im gleichen Jahr wurde auch Markus Freund mit einem Es – Saxophon Mitglied.

 

Im Dezember 1998 wurde die Vereinsgründung beschlossen, der dafür notwendige Vorstand gewählt und eine Vereinssatzung erstellt. Der Vorstand besteht aus:

 

·        Vorsitzender:         Helmut Möller

·        Stellvertreter:         Wolfgang Fasse

·        Kassenwart:          Gerhard Kruse

·        Schriftführer:          Martin Fritz

 

Die Eintragung erfolgte am 21.01.1999 bei der Notarin Edelgard Vogt in Heiligenstadt unter dem Vereinsnamen: „Hockelrain Musikanten Kreuzebra e.V.“. Am 06.03.1999 bestätigte das Amtsgericht Worbis die Eintragung in das Vereinsregister.

Als Ehrenmitglieder wurden August Freund und Georg Rümanapp, welcher 2002 verstarb, ernannt.

Die heutige Besetzung, im Jahr 2004, der „Hockelrain Musikanten“ besteht aus den folgenden Mitgliedern:

 

·        1. Trompete, Gesang:                    Helmut Möller

·        2. Trompete, Gesang:                    Helmut Rinke

·        1. Flügelhorn:                                Wolfgang Fasse

·        Posaune, Bassgitarre,

Tenorhorn, Tuba, Saxophon:         Reinhold Drust

·        1. Tenorhorn:                                Tilo Keppler

·        2. Tenorhorn:                                Markus Keppler

·        Bariton:                                         Michael Nachtwey

·        Tenorsaxophon:                             Martin Fritz

·        Es – Saxophon:                             Markus Freund

·        Schlagzeug, kleine Trommel:          Gerhard Kruse

·        Es – Horn, große Trommel:           Josef Kraushaar

·        Bass:                                             Michael Trümper

·        Keyboard:                                     Josef Kruse (aus Heuthen)

 

Für die Zukunft wünschen wir uns, daß viele junge Leute Spaß an einem Musikinstrument finden und dadurch die Blaskapelle weiterhin bestehen bleibt. Sowie, daß man in der Zukunft auf die auch heute häufig gestellte Frage: „Woher kommt ihr eigentlich?“ noch antworten wird: „Alle aus dem gleichen Ort, aus Kreuzebra.“.